Anti-Baby-Pille

Seit ihrer Entwicklung in den Sechziger Jahren hat sie wie kein anderes Verhütungsmittel zuvor die Empfängnisregelung der Frau revolutioniert.

Stehen in anderen Teilen der Welt Verfügbarkeit oder gesetzliche Verbote der Anwendung der Pille im Wege, so sind es hierzulande mehr gesundheitliche Sorgen, die betroffene Frauen von der Anwendung der "Pille" abhalten.

Auch existieren – ungeachtet der weitverbreiteten "Aufklärung" unserer Gesellschaft – teilweise abenteuerliche Meinungen zur Wirkungsweise dieses Verhütungsmittels.

Daher einige Worte zur Funktionsweise:
Zu Beginn des weiblichen Cyclus, also mit einsetzender Menstruation, werden jeden Monat viele hundert Eizellen (die seit der Geburt der Frau "auf Vorrat gehalten" werden) durch ein Hormon der Hirnanhangdrüse (FSH) aktiviert und beginnen einen Reifungswettlauf.

Nur der biologisch beste dieser Follikel (Eiblässchen) erreicht die zum Eisprung erforderliche Größe - alle anderen sterben ab und stehen dann nicht mehr zur Verfügung.

Dieser Leitfollikel produziert zunehmend Östrogen, welches im Blut rasch ansteigt, die Gebärmutterschleimhaut dicker und aufnahmefähiger macht und den Muttermundschleim dünnflüssiger und somit für die Spermien des Mannes durchgängig werden läßt.

Bei Erreichen eines bestimmten Östrogen-Blutspiegels löst die Hirnanhangdrüse über ein weiteres Hormon (LH) den Eisprung des ca. 2 cm grossen Follikels aus, die winzige Eizelle wird dann im Eileiter aufgenommen und dort ggf. vom dorthin gelangten Spermium befruchtet.

Nach ca. 7 Tagen erreicht die sich nun bereits teilende Eizelle die Gebärmutterhöhle, deren Schleimhaut mittlerweile von Millionen kleinster Blutgefäße durchzogen ist und das keimende Leben mit Nährstoffen und Sauerstoff versorgen kann.

Dazu hat sich der gesprungene Follikel in der Zwischenzeit in den Gelbkörper umgewandelt und neben dem Östrogen auch das notwendige Gelbkörperhormon (Progesteron) gebildet.

Nach Einpflanzung (Nidation) in die Gebärmutterschleimhaut beginnt die sich weiter rasch teilende Frucht mit der Produktion des Schwangerschaftshormons (HCG), welches die Fortdauer des Gelbkörpers bewirkt und somit das Ausbleiben der Menstruation.

Geschieht das nicht, stirbt der Gelbkörper nach ca. 14 Tagen ab, dem Körper wird die hormonelle Unterstützung entzogen, die Schleimhaut wird abgeblutet - der Cyclus beginnt von neuem.

Die "Pille" greift in diesen Cyclus ein, indem sie der Frau täglich eine kleine Menge eines künstlichen Gelbkörperhormones (ein sog. Gestagen) zuführt.

Dadurch wird dem Körper der Frau vorgegaukelt, der Eisprung sei schon geschehen (keinesfalls eine Schwangerschaft, wie oft fälschlich behauptet).

Folglich finden keine Follikelreifungen mehr statt, der Eisprung bleibt aus (1. Effekt der "Pille")

Ausserdem führt die gleichzeitige Gabe eines künstlichen Östrogens (also nicht erst Östrogen, dann Progesteron – wie im natürlichen Cyclus) zum Aufbau einer nur sehr dünnen Schleimhaut in der Gebärmutterhöhle – eine Einpflanzung der Eizelle wäre selbst nach erfolgter Befruchtung unmöglich! (2. Effekt der "Pille")

Auch die Verflüssigung des Muttermundschleims beim Eisprung, der erst das Eindringen der Spermien ermöglicht, bleibt aus - die Gebärmutter bleibt "abgedichtet" !

Gleichzeitig wird auch das Aufsteigen von Krankheitserregern durch den Gebärmutterhalskanal in die oberen Geschlechtsorgane (Gebärmutterhöhle und Eileiter) erheblich behindert (3. Effekt der "Pille").

Sind die natürlichen Cyclen von Frau zu Frau unterschiedlich lang, so führt die Pille zwangsläufig zu einem exakt 28 Tage langen Cyclus, da sie ihn diktiert (Blutung in der "Pillenpause").

Ausserdem wird de Blutung deutlich schwächer und schmerzärmer als bei den meisten natürlichen Cyclen. Zusätzlich kann über die Auswahl des Präparates fettige Haut (Akne) und Haarausfall behandelt werden, ggf. auch eine Menstruation (bei Urlaub, Prüfung, Feier etc.) hinausgschoben werden ("erwünschte" Nebenwirkungen).

Bei Frauen mit bestimmten Hormonstörungen kann die Unterdrückung des eigenen krankhaften Cyclus durch die Pille sogar die Erhaltung der Fruchtbarkeit für später bedeuten (durch Schutz der Eierstöcke vor zunehmender Cystenbildung).

Bei Endometriose (Bildung von Blutcysten im Unterleib infolge gestreuter Gebärmutterschleimhautzellen) kann die Pille erneute Krankheitsschübe und somit Operationen und Unfruchtbarkeit vermeiden

Die Pille muss (bis auf die "Pillenpause") täglich genommen werden, Verspätungen bis zu 12 Stunden sind allerdings kein Problem.

Die Höhe der Östrogendosis in einer Pille beeinflusst die Zuverlässigkeit der Blutung (.d.h. mehr Östrogen = weniger Zwischenblutungen), die ohnehin große Sicherheit der Verhütung wird dadurch nicht verändert.

Da auch die unerwünschten Nebenwirkungen (Migräne, Brustspannen, Wassereinlagerung, Gewichtsveränderung, Libidoveränderung) von der Dosis des Östrogens und der Art und Dosis des Gestagens abhängen, muß für jede Frau die "Richtige" unter den zahllosen auf dem Markt befindlichen Pillen gefunden werden – ein Kompromiß aus "sowenig wie möglich" und "soviel wie nötig".

Auch die im Cyclus wechselnde Dosierung der Pille (Einphasen-, Zweiphasen-, Dreiphasen-, Zweistufen und Dreistufen-Präparate) muß individuell gewählt werden, ändert aber nichts am o.g. Wirkprinzip.

Nur wenige Gesundheitsstörungen verbieten die Einnahme der Pille (sind also "Kontraindikationen"), darunter erbliche Störungen der Blutgerinnung (Thromboseneigung), eine Brustkrebserkrankung der Frau, seltene Lebertumoren etc.

Die Kombination von Rauchen und Pille erhöht das Risiko von Herzinfarkt und Schlaganfall, besonders bei Frauen mit zusätzlichen Risikofaktoren (Alter über 40 Jahre, Hochdruck, Übergewicht) - allerdings ist eine Raucherin ohne Pille um ein Vielfaches gefährdeter als eine nichtrauchende Pillenkonsumentin!

Zusammengefasst stellt die Pille ein extrem sicheres Verhütungsmittel dar, viele der "Nebenwirkungen" können im Einzelfall sehr erwünscht und dem Wohlbefinden förderlich sein - unangenehme Nebeneffekte oft durch Wechsel des Präparates abgestellt werden.

Junge Frauen unter 20 Jahren und solche, bei denen mit der Pille eine Krankheit behandelt werden soll, erhalten die Pille zu Lasten der Krankenkassen verordnet.